Die Musikmesse ist zu Ende. Neues? Jein. Seit 1974 habe ich nur zwei verpasst, 84 und 91. Und wie es so ist bei Jubiläen, blicke auch ich zurück und staune. Fürwahr, wir klangen immer schlecht. Aber nie klangen wir schlechter als dieses Jahr!

Der US Prime Live-Act versank in apokalyptischem Soundbrei. 50 Meter um das Agora-Zelt war Verständigung mit Würde kaum möglich. Drinnen stank es nach Schalldruck. In den Hallen dienten – teils ungewollt komisch – großinszenierte, gut visualisierte Produktvorführungen als effektivstes Argument, just dieses Instrument, diese Technik nicht zu kaufen. State-of-the-Art, Cutting-Edge Verstärkerprodukte klangen im Kreuzfeuer des Mitbewerbs schlechter als vor 20 Jahren. Gitarren-Demos waren wie erwartet mosquitos in a coke can – nur lauter, viel zu viele und auf viel zu engem Raum. Wurde einstmals die 70 dB Oberlärmgrenze noch durch Kontrollen forciert, so glich sie diesmal dem Apell an die Selbstbescheidung der Manager. Ein Zeichen. Fragen? Auch ein hochkarätig besetzter, inhaltlich exzellenter und als Prestigetermin im Rahmenprogramm der Messe positionierter Vortrag über Konsumentenverhalten schrammte wegen Verständlichkeitsproblemen knapp an der Blamage vorbei. Wegen einer Selbstverständlichkeit der modernen Veranstaltungstechnik bzw. deren Abwesenheit: Funk-Ansteckmikrophone.

Krise? Nein, von der Krise war wenig zu spüren. Insgesamt schien die Stimmung gut. Gesprochen wurde zwar darüber, aber man teilte großzügig die Meinung, dass man sich doch erstaunlich gut dem Trend entziehen konnte. Bislang. Schulterklopfen. Eierkuchen.

Was bei mir die Neugier weckt. Und tatsächlich – was, wenn uns die Krise längst erreicht hat – viel früher schon? Und wir haben es einfach nicht bemerkt? Könnte es nicht sein, dass wir längst getroffen wurden, in einer Ecke, die wir völlig aus dem Blick verloren hatten? Im Bereich der Außenwirkung? Vielleicht, weil wir längst eisern sparen – dort, wo es nicht den nackten Zahlen dient? Hat das Regiment der Controller vielleicht schon längst die Schlüssel der Stadt? 

Okay, nein, jetzt ernsthaft. Wir sparen am Proof-of-Concept, am Kern der Sache: Wir sparen am Klang, am guten Klang, am Montagepunkt unserer Zunft. Warum? Weil man ihn nicht sieht. Denn dies war auffällig: Die Visuals auf den Ständen hatten sich gebessert. Broschüren, Poster, Licht und Deko – á la bonne heure! Weil man aber Geld nur einmal ausgeben kann – haha, altes Controller-Späßle, Herrschaften, köstlich nicht? – war nix mehr im Topf für gute alte Soundmaßnahmen. Außerdem sind gute alte Soundmaßnahmen personalintensiv und man spart halt so gern an den Menschen, den lästigen.
Konsequenz? Verantwortung? Markenführung? Brand-Image? Corporate-Identity? Nur das Nötigste. Nie mehr als das Arbeitsverhältnis rechtfertigt und immer, husch-husch, schnell-schnell, merkt ja keiner. Klang? Dergestalte Anliegen werden gerne in die mittleren Gehaltsstufen zurückverschoben, weil man sich hier oben, bitte, beim besten Willen nicht auch noch mit solchen Frauenthemen beschäftigen kann.

Dekoratives Handeln. Schlimmer noch: Rituell-dekoratives Handeln. Werbung wird nicht mehr am Resultat gemessen, sondern am Budget, Maßnahmen nicht mehr an ihrer Wirkung, sondern am Aufwand. CC – Corporate Crap! Und so entfernen sich Händler, Musiker, Hersteller, Aussteller, Künstler, Macher und Organisatoren immer weiter voneinander vor den Augen der verdutzten Endverbraucher. Kann man Musik eigentlich verbrauchen? Na, auch egal.
Meine Beobachtung: Je weniger die Technik eingesetzt wurde, die alles erst so schön hörbar machen will – Verstärkung und dessen Processing – umso besser wurde es. Joey DeFrancesco live an einem kleinen italienischen Orgelstand in Hall 5.0. Fette Echt-Drums in der 3.0. Ein homöopathisch verstärktes Bluegrass-Trio in Halle 3.1. Akustisches Klavier in 3.0. Eine Sängerin mit Kleinst-PA in der 8.0. Slap-Bass fresh from the amp itself. Priceless! Alles in Maßen. Alles mit Verstand. Wunderbar!

Aber das waren die Ausnahmen. So auch das gestochen klare Klangbild, gleich dem fernen Echo einer vergessener Welt – das “Radio Mobile”. Die Zwangsbeträllerung, wann immer man sich aufmachte, Kraft seiner Standbeine, über das Förderband gleitend, fremde Hallenwelten zu erobern, auf der Suche nach den den äußeren Grenzen des Seins.

Aber mitnichten – ich bin ich ein Gestriger! Ich bin auch kein Leisetreter. Meine Gitarrenboxen haben ihre Rollen nicht zur Deko. Ich mag’s nur leise, wenn’s laut nicht klingt. Und a g’scheite Kick-Drum muss immer die Wurst vom Teller schieben.
Dennoch bezweifle ich vehement, dass wir noch in Kontakt stehen mit der alles entscheidenden Frage, mit der wir antraten, als Branche, als Kunstverein, als Industrie: 

Was will der Mensch, wenn er Musik meint?

Nein, soviel steht fest: Besser wurde es nicht in Frankfurt. Größer – ja. Bunter – sicher. Vielfältiger – fraglos. Aber eben auch lauter, dummdreist lauter. 
Seien wir deshalb ehrlich: Frankfurt 2009 – wir haben gezeigt, zu welchem Schalldruck wir fähig sind, zu welchen Dröhnfrequenzen, Auslöschungen, Phasenverschiebungen und Plärrhöhen. Hätten wir beabsichtigt dies zu zeigen, als wir antraten vom 1. bis zum 4. April, dann ließe sich sekundieren  “Jawohl, das ist geglückt.”
Haben wir aber nicht.
Weil es nämlich etwas ganz anderes ist, das der Name “Musikmesse” so unschuldig in unsere Hände legt.

Oh gewiss, es gibt viele gute Gegenbeispiele und natürlich übertreibe ich – und dennoch: Es wurde viel Werbung für unsere Begleiterscheinungen, für unsere Abfallprodukte und Nebenwirkungen gemacht: Lärm, Krach und Ohrenpfeifen. Deshalb formuliere ich es mal vorsichtig so: Vom 10. bis 14. Oktober ist wieder die Anuga in Köln, die nach eigenen Worten wichtigste Food & Beverage Messe der Welt. Und die – da bin ich mir sicher – wird im Gegensatz zur Musikmesse peinlich genau darauf achten, dass man nur den Genuss und nicht den “Fallout” von Food & Beverage zu schmecken und zu riechen kriegt.

 

 

 

 

Advertisements

Und? Habt ihr’s geguckt? Grad eben, Prime-Time? Jetzt sagt schon – Wahnsinn, nich? Diese Julia ist doch ein Triebwerk! Und der Richard, der Schlingel, keinen Deut besser. Da ist für jeden was dabei. Gebt’s zu – ihr habt’s geguckt, verzaubert mit einem Tränchen der Rührung im Augenwinkel? Ja? Schööön. Ich nicht. Ich hab nämlich derweil auf YouTube George Benson Videos gecheckt. Nicht, dass das aktueller gewesen wär. Aber ich wollt euch reinlaufen lassen – in die Sat1-Werbefalle. Ich hab den Streifen nämlich auf DVD. Okay, meine Tochter hat ihn. Aber hätt die ihn nicht, dann hätt ich ihn. Also den Streifen, nicht George. Aber ihr müsst doch zugeben, dass das mal echte Abwechslung war, oder? Gefüüüühl. Pur. Kein lauer Wiederaufguss von etwas, das es schon 100 mal gab – das war The Real Deal. Schmalz as Schmalz can. Da hat nicht wieder eine drittklassige Laienspielgruppe versucht zu singen wie Sinatra und zu tanzen wie Timberlake und wir applaudieren artig der Hybris, kondolieren der Chuzpe. Ich beobachte diese allzu bereitwillige Hingabe an das Mittelmaß schon länger mit Sorge. Den Bohlen hab ich ja noch in Schutz genommen. Hat keiner verstanden. Aber das liegt in der Tradition meiner Schreibe. Dafür isses kostenlos. Jedenfalls – wir morphen allmählich zu einem wahrlich genügsamen Völkchen, das zufrieden ist, wenn etwas beinahe schon so ein bisschen danach klingt, wie wenn es aus Amerika käme. Um im gleichen Atemzug zu beteuern, wie doof die da drüben sind und wie degeneriert und abgeschmackt. Dann aber das:
http://www.youtube.com/watch?v=aiQEq989xhg&NR=1 
Jajaja, steinalt, Bildspur schlecht, Tonspur mau und gestimmt ist die Fidel auch nicht. Aber wartet mal bis zum Solo ab 1:40. Gnaaadenlos. Das Brett! Wenn’s ums Performen geht, dann hilft leider nichts. Die Brüder da drüben sind im Schnitt gleich DERART besser, dass wir gern aussehen wie eine abgebrochene Simulation. Ich zumindest. Hab gestern ein paar Live-Clips durchgesehen – von mir. Dumme Idee, das. I was not amused. Eigentlich war ich sogar stinkef****ngsauer! Bin’s immer noch. Das muss leichter kommen, mehr von innen, mehr unmittelbar. Nicht so stopselig, auswendiggelernt – verdammt nochmal! Kann doch nicht so schwer sein. Oder vielleicht doch… Vielleicht ist es auch zu mühsam. Passt scho’ – checkt doch eh keiner. Von wegen! Natürlich checkt das jemand. Möglicherweise nicht die Leute, an denen man sich bislang so bequem orientiert hat. Vielleicht muss man sich neu orientieren, nach oben, wo die Luft dünner wird. An Leuten, die sowas checken. Die unterscheiden können zwischen okay und gut und zwischen gut und geil und überirdisch. Alles eine Frage des Umfelds. Wer nur für die Oma singt, der braucht sich nicht wundern. Die liebt alles, was sich Mühe gibt und ein Schätzlein ist. Man muss dahin, wo’s wehtut. In die Welt. Auf die Bühne. Einfach machen – und Prügel kassieren. Besser werden. Hinfallen, aufstehen, hungrig bleiben. Herrschaften, ich weiß auch nicht, wie ich’s sagen soll – ist nur so ein Gefühl. Wie bei Julia und Richard. Ein starkes Gefühl, ein mutiges, eines, das mich vorwärts schiebt. Ich will noch nicht zufrieden sein mit Wetten Dass am Samstag. Noch nicht. Gibt es ein Leben vor dem Tod? Nicht laut ZDF.

Los, lasst uns was machen. Was echtes, starkes, eigenes – mit Gefühl.

Erinnert ihr euch an “Ja, aber…” – diese Gardinenpredigt von letzter Woche? “Martin & Joe”? Wie wir als teutsche Emo-Asketen immer so erfolgreich jede Form von Aufbruch und Vorwärts abwehren? Stark, oder? Könnten sich andere echt ‘ne Scheibe von abschneiden! Könnten, wollen sie aber gar nicht! Warum? Weil wir die Oberklemmis sind. Weil sich keiner zwischen Alpsee und Amrum, zwischen Lörrach und Görlitz mehr traut, Mut zu zeigen, Mut zum Gefühl. Neeiin, wie uuunangenehm. Nicht nur Männer. Auch Frauen tun sich das nimmer an. Alles Schwäche – und Schwäche ist Angriffsfläche.

Heut sprech ich aber mit Helmut und was es eigentlich braucht, um sich mal wieder zu spüren, um mit sich Kontakt aufzunehmen im Hagel der medialen Zuwendungen. Wir sind ja Kreative, Schaffende, gewissermaßen Leithammel, an die man sich leichtfertig anhängt. For better or for worse. Nicht, dass ich schlauer wär – Betonung auf Hammel – ich hab nur als Erster das Wort ergriffen. Ich hatte die Idee: Zieh die Schuhe aus und stell Dich mal draußen auf die Wiese. Gut, es hatte etwa 5 Grad und sowas tutet man eigentlich nicht als Freund, aber mir war es trotzdem ernst. Mal wieder was spüren. Sich. Uns. Wir machen doch nur noch Ablage. Arbeiten ab. Erledigen. Anderes. Und uns.

Dabei sind wir aber kreativ. Sprühen förmlich. Verblüffen. Stoßen an. Erneuern und Erfrischen. Alles und alle, außer uns selbst. Wie soll man aber die Batterien wieder voll kriegen? Oder den Tank? Oder Mut fassen? Inspiration finden? Zu Konzerten gehen wir doch nur noch zum Ningeln. Und um dagewesen zu sein. Fernsehen ist für die Blöden. Vernissagen für einsame Frauen auf der Suche nach dem Feuilleton. Spazierengehen? Wie spießig ist das denn? Family-Dinner? Däääd, Du neeervst!

War früher alles besser? Hmmm – also gewissermaßen, in diesem Themenkreis, sozusagen, wenn man die Brisanz der Sachlage und vor dem Hintergrund der… also… Okay – JA! Zumindest einiges war besser. Wir konnten Kitsch noch Kitsch sein lassen. Gefühl noch Gefühl. Wir konnten uns von Überwältigendem noch überwältigen lassen und waren von Rührendem noch gerührt. Heute sind wir Klonkrieger, die nimmer schlafen, essen, denken und fühlen. Erst recht nicht zweifeln. Das sieht ja gar nicht aus, wenn man zweifelt. Gar am End noch drüber redet. Stööhn! Heut ist alles grad nach vorn. Volles Brett. Über Witze lacht man, egal ob sie witzig sind, man ist ja kein Spielverderber und das letzte kollektive Hochgefühl ist die schlechte Nachrede, wenn der Kollege den Raum verlässt. 

Blöd nur, dass ich grad in die Fernsehzeitung schiele. Herrschaften, ich trau ‘s mich kaum zu sagen. Dabei möchte ich. Was mach ich jetzt?  

Also, aufgemerkt: Früher gab es Märchen, um den Menschen etwas näher zu bringen, etwas aufzuzeigen. Das waren ganz unglaubliche Geschichten von Gut und Böse und schönen und hässlichen Gestalten, Licht und Finsternis. Gleichnisse. Das war quasi der Hackentrick, mit der man die rationale Abwehr des Homo-Eklektus ausdribbelte. Man behauptete, es seien Märchen – für Kinder. Aber irgendwer musste die Schoten ja abends vorlesen. Also haben auch die Großen, die Erwachsenen die Geschichten gelesen und gehört – und kamen ins Nachdenken…oder waren einfach mal nur mal froh und abgelenkt. 

Und deshalb die Fernsehzeitung… Bloß, puhhh, ich weiß nicht, ob ich das wirklich sagen soll… Es ist ja sooo peeeiiinlich….
Nee, vielleicht machen wir es ganz anders. Ja, ich glaub jetzt hab ich’s. Wir machen eine Mutprobe draus!  Wir machen ein Mutprobe, die sagt: Wir gucken einen Film. Einen Spielfilm. Im Fernsehen! Und den ganzen Film über wird nicht gezappt. Es wird nicht mit teutscher Akribie der Wahrheitsgehalt überprüft, nicht die Wahrscheinlichkeit diskutiert und nicht über Frisuren und Drehbuchschwächen gelästert. In der Pinkelpause wird gepinkelt und Chips gefasst und Limo. Und nicht geredet. Gar nix. Und wenn die Werbung rum ist – und die werden Werbung machen wie die Deppen – dann aber wieder husch husch ab vor’s Gerät. Bis das Märchen rum ist. So machen wir das. Richtig old fashioned Fernsehabend – Märchenstunde.

Morgen Abend, Montag 23. März, Sat1, 20:15 “Pretty Woman”. Nö, jetzt hört schon auf zu nöhlen! Es ist doch nur ein Experiment. Rein wissenschaftlich. Ich find so Filme ja auch eher peinlich. Ehrenwort, Herrschaften. Völlig unrealistisch. Unerträglich. Weiß gar nicht, wer so’nen Quatsch überhaupt ansieht. Wir wollen ja bloß gucken, ob man was spürt. Also rein gefühlslabormäßig. Und vielleicht hilfts ja ganz nebenbei. So gegen alles. Alltag. Und Gefühlsarmut. Und blöd Starksein. Okay?

Wir sehen uns. 

 

 

 

 

Stimmt. Warum erzähl ich nicht mal was? Retten kann ich immer noch, die Welt und alles und so. Ihr kennt mich. Aber erzählen – das ist schwer. Weil – worüber will man denn erzählen? Das langweilt doch alles. Erzählt doch eh jede Sau aus allen Rohren, ungefragt. Vordringlich, was tags zuvor im Fernsehen lief. Das hass ich ja. Und jetzt ich? Nee, oder?

Also gut, weil ihr’s seid, ich probier’s.

Es begab sich zu der Zeit, da die Tochter des Königs… Nee, Quatsch beiseite. Es war Dezember. Und eigentlich doch nicht. Weil die Idee war schon viel älter. Wawa hatte die.  Abi – meinte er – Abi, mach doch auch mal so ‘n “Hey, ich hab auch nen Übungskeller und kann da ganz dolle rumhibbeln und mit Gitarren angeben”-Video und stell das auf YouTube und MySpace und überhaupt. Das war so Oktober.

Ich dann: Janöklarej, coole Idee, müss ma echt ma irgendwie so in die Richtung was checken.
Dann Wawa: Okay, ich besorg die Leute.
Dann ich: Hoh, hoh, Homer, hold your horses!
Dann er: Lehn Dich zurück, Alter.

img_0876

BU: Ruhe vor dem Sturm

img_90661

BU: hier zählt nur das Hemd.

Und dann ging’s schon los! Zack, hat der echt die Leute besorgt. Damit waren es Wawa, Astrid und Andreas. Also insgesamt drei. Klare Überzahl. Da war ich nur noch Passagier. Das hass ich ja. Aber, was sollte ich machen?

Weiter ging’s Schlag auf Schlag. Zack – Email mit PDF von Astrid: “Exposé”, dann “Treatment” und schließlich “Planung/Kontaktdaten”. Bist du blöde – zieh’n wir in den Krieg? Was geht’n ab!? Zack die Dritte –  Terminkalender: Wann ich Zeit hätte, wegen On-Site Termin Vorbesprechung und dann Setup und Licht und dann einen oder zwei Tage Shooting?  Dezember wär klasse. Ob ich ‘n Storyboard hätte? Freunde aufgemerkt, ich spiel Gitarre – das nennt sich Fretboard. Aber wurscht, ich soll mir keine Sorgen machen – die machen das schon. Hä? Hab ich mir jemals Sorgen gemacht? Die machen sich Sorgen. Ich bin Musiker – ich mach mir keine Sorgen. Sorgen sind scheiße für den Groove. Und Groove ist das Geheimnis. Weil Groove, Herrschaften, Groove separates the Men from the Boys.  Hört mir eigentlich jemand zu…?

 img_87391

BU: der große Blonde, da in der Mitte, der ist grad voll am grooven

img_87432

BU: Astrid (sitzt), Wawa (Kopfhörer) und Andreas (steht)

Aber es kam noch dicker, echt jetzt – will ja nicht vorlaut sein, aber so kann man mit mir doch nicht reden. Nochmal: Ich bin Musiker! Ich verkrafte keine Ansage außerhalb des Konjunktivs. Meine Welt ist leicht gewellt, pastellfarben und hochauflösend verschwommen. Ich kann nicht auf ja/nein, schwarz/weiß, on/off, mach ich/mach ich nicht. Ich brauch Infos mit Soft-Touch, mit Teddy-Plüsch, mehr so hautsympathisch und ob’s vielleicht grundsätzlich irgendwie cool wäre, wenn irgendjemand vielleicht irgendwann mal checken würde, ob so videomäßig was planungstechnisch abgehen könnte. Aber kein Stress. 

Genau, so läuft das bei uns! Ja? Und dann lässt man wieder Gras über das Ganze wachsen, weil alles andere stresst bloß. 

Aber, zack war’s Dezember und ich mittendrin. Ihr seht’s ja auf den Bildern. Da gab es dann das angedrohte Pre-Prod-Meeting und ich sollte mir mal Gedanken machen, welche Nummern ich da abträllern könnte und Track-List und welche Gitarren mit welchem Amp und wie ich aussehen möchte. Na groß, blond und blauäugig – Ihr kennt mich. Nope, Animationen würden sie nicht machen, aber da könnten sie die richtigen Leute für besorgen. Und das haben die dann auch direkt aufgeschrieben. Hey, war nur’n Witz. Hä hä, ja? Nee? Man muss aufpassen wie’n Schießhund bei solchen Leuten. Die machen nämlich, was sie sagen. Ganz anders als bei uns. 

Jedenfalls musste ich dann meine gesamten Kasperleklamotten auffahren – Kleiderprobe, wegen der Farben und dem Licht und so. Bin ich Claudia Schiffer – spinnt ihr?! Das einzige Kleidungsstück, das mich gelegentlich mal beschäftigen könnte, das ist Kurt, der Gurt. Stimmt die Länge und passt das Muster zur Gitarre? Basta. Alles andere ist bloß Ablenkung vom Thema. Echte Musiker sehen nicht aus, die klingen. Aber wie gesagt – Überzahl.

Ich also fein ein Hemd nach dem anderen an – aus, an – aus. Hmm, das ist vielleicht zu rot und das kommt zu hemdig und nö, das ist ein bissi düster, aber mit der anderen Gitarre könnt’s gehen. Und mit dem da, nee, da siehst du ein wenig farblos aus. Freunde, vielleicht ist das, weil wir seit drei Tagen nimmer beim Kentucky Fried Chicken waren…? Da spielt mein Teint immer etwas ins Fahle. Ich könnt ja stundenlang so weiterschreiben. Aber wer will das schon? Jedenfalls, das war die Pre-Production. Wie’s weiterging beim Shooting, da meld ich mich dann vielleicht nochmal so irgendwie blogmäßig und so.

Fürs erste: http://www.myspace.com/abivonreininghaus*

Sehr witzig, danke. Übrigens, ich hab auch nen Blog – oder wisst Ihr das auch schon? 

 

img_87822

BU: Da sitz ich nur so tuntenmäßig, weil ich ein Stimmgerät auf den Knien habe, hört ihr?

 

 

* nein, ganz recht, sehr gut beobachtet – diese Videos sind noch nicht auf my space und you tube – aber wir arbeiten dran.

 

Eine Frau in Frankreich hat einen Bestseller geschrieben – über ihre Arbeit an der Supermarktkasse. Sie schrieb ihn als Kassiererin. Also nicht während sie kassierte, sondern abends. Nein, sie ist keine Schriftstellerin, die sich an die Kasse setzt, um sich eine Nase Realität und Inspiration reinzufegen. Nein, sie sitzt da, weil sie Kassiererin ist – schreibt nebenher. Mehr weiß ich auch nicht. Aber mehr brauch ich auch nicht, um nachdenklich zu werden.

Kameraschwenk. Vor kurzem: Ich ein Gespräch mit Martin, 27 Jahre. Es ging um Diplome. Diplome für Gitarristen. Ich hab ihm gesagt, dass die A-Team-Music-Academy Diplome vergibt nach erfolgreichem Studium. Das wusste er, deshalb rief er ja an. Ich hab ihm aber auch gesagt, dass die A-Team im Moment keine Anmeldungen annimmt. Das wusste er nicht und daraufhin war er richtig verzweifelt.

“Ja aber, ohne Diplom kann man doch nichts machen, werden, schaffen. Unterrichten, Studiomusiker, Profi, egal. Ohne ein Diplom geht nichts. Ohne ein Diplom schafft man den Absprung nicht.” Quatsch, erstens kann man sich so nen Lappen auch woanders schießen (das hab ich ihm nicht gesagt), und zweitens kann jeder abspringen, wohin er will – mit und ohne Diplom. Kann, und wichtiger noch: muss aber nicht.

Aber –  interessanter war etwas anderes. Man muss wissen: Er hat einen guten Beruf – einen, den er obendrein mag. Trotzdem will er den Absprung schaffen. Von wo – wohin – wozu? Ich denke, er hat dieses heroische Bild vom Musiker, der frei ist, frei von allen Zwängen, nur seiner Kreativität verpflichtet, nur dem Rufe der Kunst. Seeehr romantisch.

Ich hab ihm gesagt, dass man beim Abspringen sehr blöd fallen kann. Hat ihm eingeleuchtet. Er hat mit Ergotherapie und Reha zu tun. Schon ganz schön ausgeschlafen, wie ich ihn da gepackt hab, gell? Ich hab ihm gesagt, dass er mit einem Fuß bleiben soll, wo er ist und stabil das Gleichgewicht halten, und mit dem anderen Fuß, dem musikalischen, vorsichtig das Eis testen. Da konnt’ er was mit anfangen. Dann sollte er mal sein Leben und die notwendige Zeit dafür sortieren. Weil die Frau (das hab ich ihm nicht gesagt, weil ich es erst später gelesen hab – aber ich hab’s gewusst) – die hat das auch hingekriegt, da hinter der Kasse. Und das ist der Schlüssel. Zeit. Einteilung. Fokus. Cut the crab. Cut the Dschungelcamp, the World of Warcraft. Cut the bullshit. Cut the blogs. Cut alles. Get real!

Wie man das anpackt? Weil ich es grad auf den Tisch krieg, Samstagsausgabe SZ: “BERUFSZIEL” – “Pünktlich, Ehrlich, Fließig – Revival der Werte”. Taadaa-da-da-da – ich liiiebe es!

Manchmal sind wir eine Nation von Suchenden. Ach, was sag ich:  Manchmal? Cut the manchmal. Wir SIND eine eine Nation von Suchenden. Wir suchen. Nach Gründen. Unentwegt. Nach Argumenten. Nach Abwahlkriterien. Unser Main-Tool? Das hochglanzkugelpolierte, das oberflächenveredelte, rostfreideutsche “Ja, aber”. German Engineering at its best. Unerreicht, was sich damit alles anstellen lässt. Die Mutter aller Off-Knöpfe. Mal mit Ausrufezeichen Ja, aber!. Mal mit Fragezeichen Ja, aber?. Mal mit Pünktchen Ja, aber…. Egal wie, es wirkt – schnell und sicher. Nach dieser fauligen Wortblüte riecht man nichts mehr, schon gar keine Morgenluft. Da riecht man grad noch die warmgepupte Wohlfühlzone, und, so schlimm – das haben wir ja gelernt – so schlimm ist das für viele auch wieder nicht. Weil, wenn schon nicht eigener Erfolg, dann wenigstens… Okay, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Ihr wisst Bescheid.

Während ich mich aber schon wieder hoffnungslos in meinen Weltrettungsneurosen verstricke, entdecke ich was in meinem Leibundmagenheft. Etwas, wo Joe Bonamassa frischen Wind in die Bude und den gleich auf den Punkt, äh, bringt. Hier der für uns entscheidende Teil des Interviews:

GUITAR PLAYER MAGAZINE Ausgabe April 2009 
(…) GP: Lots of of promising guitarists who came up around the same time as you have seen higher highs and lower lows. What’s your take on that?

JB: I have this theory called the Sir Edmund Hillary Effect. I would rather be three quarters of the way up the mountain and stay there for 35 years than shoot for the top of the mountain and fail. A lot of people in this genre who make that last leap to see the mountaintop of pop stardom – where they no longer want to play 2.000 seaters and want to sell out arenas and get radio – ultimately end up back at base camp. I’ve seen it with friends back in the ’90s. They were in these cult hippie bands and they had a couple of big hits and now they’re playing smaller venues than I am. How did that happen? They sold millions of albums. But once you get into the hit business, they want another hit. It’s a cruel, fickle business. I’m not in the hit business or even in the blues business. I’m in the entertainment business. I’ve gotten a reputation for putting on a good show, so people don’t come to hear one particular song. That freedom is awesome. I’m happy to be at three quarters. I want to do this for the rest of my life. I want to keep making quality records. I never had a radio hit and I probably never will and I’m fine with that. If radio wants to play one of my songs, fine, but there will be no pretense of it. (…)

 Ich hab mir dann mal erlaubt, das etwas freier so zu übersetzen:

(…) GP: Viele aussichtsreiche Gitarristen, die etwa um die gleiche Zeit auftauchten als du anfingst, sind höher gestiegen und tiefer gestürzt. Wie ist Deine Meinung dazu?

 JB: Ich habe diese Theorie, die ich den Sir Edmund Hillary Effekt nenne. Ich bin lieber auf Dreiviertel des Wegs zum Gipfel und bleibe da für die nächsten 35 Jahre, als den Gipfel anzugreifen und zu scheitern. Eine Menge Leute in unserer Branche, die diesen letzten Schritt unternehmen, um den Gipfel des Starruhms zu sehen – denen es nicht mehr reicht, Hallen mit 2000 Plätzen zu spielen, sondern lieber Arenen, und die ins Radio wollen – finden sich plötzlich im Basislager wieder. Ich hab das bei Freunden von mir beobachtet, damals in den 90ern. Die waren in diesen Kult-Hippie Bands und hatten einige Riesenhits und jetzt spielen sie in kleineren Konzerthallen als ich. Wie konnte das passieren? Sie haben Millionen von Alben verkauft. Aber wenn man mal im Hit-Business ist, dann verlangen die den nächsten Hit. Es ist ein grausames, unberechenbares Geschäft. Ich bin nicht im Hit-Business, nicht mal im Blues-Business. Ich bin im Unterhaltungsgeschäft. Ich habe den Ruf, eine gute Show abzuliefern, deshalb kommen die Leute auch nicht, um einen speziellen Song zu hören. Diese Freiheit ist phantastisch. Ich bin glücklich, bei Dreiviertel zu sein. Ich möchte das für den Rest meines Lebens machen. Ich möchte weiterhin gute Platten abliefern. Ich hab noch nie einen Radio-Hit gehabt und werde wohl auch nie einen haben und das soll mir Recht sein. Wenn die im Radio einen meiner Songs spielen wollen, wunderbar, aber ich werde mich dafür nicht verstellen. (…)

 Nicht schlecht, oder? Ich find’s stark! Zugegeben: Sein Weg, das ist EINER von vielen Wegen. Aber einer, der sehr klar, sehr reif und sehr mutig formuliert ist. Einer, der ganz und gar den “Alice im Wunderland”-Verheißungen widerspricht, wonach man nur hart und stur genug anrennen muss und “mit ein klein wenig Glück können auch Sie…”. Klingt bekannt, denk ich. Bissi Mut, bissi Wahnsinn, Minimaltalent und dann wird das schon, dann wird man Superstar und Millionär und so Kram. Akzeptiert, ok, das ist EIN Weg. Deppert,  aber populär. Aber Joe hat eine Alternative, eine realistische, die mit Selbsterkenntnis, Selbstpositionierung, Selbstfindung zu tun hat. Und darauf aufbaut. Ich finde seinen Standpunkt nützlich und erfrischend. Und deshalb musste ich einfach so schamlos abschreiben bei Joe und den GP Nasen. Vergebung!

 Das nächste Mal dann wieder ausschließlich und umfassend von den eigenen Weltrettungsneurosen. Versprochen. Ihr kennt mich.

Ach, übrigens, Joe ist ein geiler Gitarrist!

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Frage, die Lehrern regelmäßig gestellt wird und um die man sie nicht beneiden sollte: “Was muss ich tun, um erfolgreich zu sein?”

Als ich anfing zu unterrichten – ich geb jetzt nicht zu, dass das 33 Jahre her ist, sonst komm ich mir schweinealt vor – hatte ich als Antwort immer “Üben” parat. Oder “Hart üben”. Gerne auch mal “Schweineübelbeinhart üben”. Im Laufe der Jahre wurde ein moderiertes “Offen sein für alles” draus. “Flexibel sein” kam auch mal. Dazwischen gesellte sich eine Kelle Zynismus mit “Der sichere Weg, keinen Erfolg mit der Gitarre zu haben, ist, nur auf das Griffbrett zu starren”. Da war ich sauer. Das trug jedoch zerebralen Zersatz in die Schutzbefohlenen und ich entschied mich, zurück zu rudern. Ich bot dann Kalorienreduziertes – “Nicht kopieren, sondern anders sein”. Wurde als Antwort aber nicht akzeptiert, weil anders kann auch ganz anders sein und wer will das schon. Daraufhin riet ich “Der Schlüssel ist Kreativität”, um dann flugs bei “Der Schlüssel ist Originalität” zu landen. Das fand ich schick, weil das die Plattenfuzzies auch immer zum Besten gaben, wenn sie nicht weiter wussten. Heute sind die aber original arbeitslos oder geben den Grüßgottonkel in Hartz-IV-Shows. Egal.
Kürzlich nahm ich nochmal Anlauf und rief “Hang in there” aus –  also “Reinhängen”, “Dran bleiben”, “Durchhalten”. Eine, wie ich immer noch glaube, wertvolle und nützliche Antwort. Mein Plädoyer für Geduld, Hartnäckigkeit und Leidensfähigkeit. Bissi an der Zeit vorbei, aber was soll ich sagen. Ihr kennt mich.

Jetzt entdecke ich gerade eine noch nicht veröffentlichte Kolumnenscherbe zum Thema “Erfolg”. Warum ich die nicht veröffentlicht habe?
1. Weil ich seit über 12 Jahren erfolglos an dem Trum rumschraub.
2. Weil man, in egal welcher Zeitung, die Geld kostet, nicht alles reinschreiben sollte – schon gar nicht die Wahrheit.
3. Weil ich “Erfolg” schließlich doch aufgriff in der 31. Folge von Abilities – aber anders, ganz anders. Oder doch nicht? Ich griff zu einem englischen Sprichwort von geradezu epochaler Sinneswucht. 

“Erfolg ist wie ein Furz – nur der eigene riecht gut.”

Absofuckolutely ja, natürlich ist das vulgär. Und wie! Und doch – raunt nicht jeder ein verlegenes “Stimmt”? Nun komm ich heut aber mit viel Schlimmerem aus dem Unterholz. Nein, nicht mit weiteren Vulgarismen.  Auch nicht mit Pornographie. Ich komm auch nicht mit Blasphemie und nicht mit Fußballliedern – viel schlimmer – mit Kollegenschelte. Aua! Bäh! Ganz pfui!

In diesem Blog, wie ich meine, wo jeder kostenfrei auf eigene Gefahr und Selbst-dran-blöd seine Nase reinstecken kann, ist immer Platz für Grobes. Andererseits, vielleicht ist es ja auch gar keine Schelte. Vielleicht ist es willkommener Denkanstoß, überfälliger Diskussionsansatz. Vielleicht ist es  ein brauchbarer Impuls, sich selbst zu sehen, oder ein besonnener Anschubser zum Nachdenken. Ach ‚  Í窀⁄¿€  , ich spar mir den Zuckerguss – ja, es ist Schelte, weil sowas im Kollegium eben immerso wahrgenommen wird und basta. Aber hält mich das auf? Mitnichten, Ihr kennt mich.

Nochmal zur Eingangsfrage: “Was muss ich tun, um erfolgreich zu sein?”
Was, wenn diese Frage gar nicht zu beantworten ist? Was, wenn diese Frage erst eine Gegenfrage verlangt? Eine Frage wie: “Was willst Du denn werden?”

Im Musikbetrieb von Los Angeles wurde schon seit den 50er Jahren unterschieden zwischen “Industrial Musicians” und “Creative Artists”. Als mir diese Unterscheidung 1983 zum ersten Mal unter kam, wusste ich überhaupt nichts damit anzufangen. Bald danach wurde es mir sehr klar.
Aus heutiger Sicht und zum besseren Verständnis: “Industrial Musicians”, also “Industrie-Musiker” betrachte ich der Einfachheit halber als “Arbeitnehmer-Musiker”. Denen gegenüber stehen die “Creative Artists”, also die kreativen Künstler, die kreativ schaffenden Musiker oder, um bei unserer Boshaftigkeit zu bleiben: die “Arbeitgeber-Musiker”. Weil der moderne Mensch Vergleiche braucht und der’s nicht bringt, sagen wir einfach Indianer und Häuptlinge.

So, und auf die Frage “Was muss ich tun, um erfolgreich zu sein?” würde ich eigentlich heute gerne antworten: Ja, Du ∂æµ@⁄窀®  Voll⁄∂⁄ø†, triff erst mal eine ©ø††√€®∂åµµ†€ Entscheidung! Was aber vollkommen unangemessen, überemotional und suboptimal im Sinne des Teambuilding wäre. 

Hey, pssst, kurz zwischenrein, so Begriffe – geil, oder? Aber der Middelhoff Thomas, der “schon in Freundschaft mit Bertelsmann verblieb”, der hat jetzt echt den Vogel abgeschossen. War bislang “subprime” die schwarze Perle der verbalen Katastrophenverschleierung, dann hat er jetzt richtig gezaubert. An seinem letzten Arbeitstag bei Arcandor (Karstadt/Quelle), als der Kutter bis zur Reling voll Wasser stand und die Fracht mit der Abendebbe vor aller Augen in den güldenen Sonnenuntergang trieb, da outete er sich, der Pfiffikus, dass er das Unternehmen “sicherlich nicht besenrein übergebe”. Hey, und das ohne sich zu übergeben. Respekt! Und dann hat der heute ne Investmentfirma in London gegründet. Na, dann kann ja nix mehr schiefgehen. 

Also, nochmal – Indianer oder Häuptling? 

Willst du Indianer sein?
Dann musst du nichts entscheiden, dann kannst du die Verantwortung abgeben. Jede Schuld in Nachbars Garten schmeißen. Um fünf den Hammer fallen lassen und Freizeit rufen. Immer beklagen, dass du weder respektiert noch anständig bezahlt wirst. Ja, was auf den ersten Blick noch etwas schmucklos daherkommt, hat auf den zweiten Blick schon seinen Reiz und bietet dabei etwas geradezu Heimeliges, Urgemütliches. Wer da mal ist, will nimmer weg.

Oder bist du Häuptling?
Dann bist du der, der stresst. Der, der ansagt. Nachts wachliegt. Der, der allen hinterherläuft. Und plant und erinnert und ermahnt und motiviert und die Songs schreibt und arrangiert und den Kopf hinhält. Okay, vielleicht den Namen in der Zeitung sieht. Vielleicht öfter die Glänznase im Fernsehen hat. Als erster im Meeting den Kaffee kriegt und das Risiko trägt. Wie auch immer…. Ich lass hier mal bewusst offen, was besser ist. Nur soviel: Einer bist Du. Einer. Du bist Deutschland. Weil Mehrzahl ist Deutschländer und das ist sowas von wurscht.

Also: Triff erst mal eine ©ø††√€®∂åµµ†€ Entscheidung, Du ∂æµ@⁄窀®  Voll⁄∂⁄ø†. Und dann: Bleib dabei. Wenigstens solange Du nicht mehr vom Spiel kapierst.

Aber gut, damit wir uns mit der Eingangsfrage und dem ganzen Musikkuddelmuddel nicht missverstehen frag ich auf

“Was muss ich tun, um erfolgreich zu sein?”

jetzt folgende Gegenfrage:

“Reicht dir eine Feder oder brauchst du fünfzig?”

Das ist nämlich sehr weitreichend und das ist die beste Antwort, die ich heute geben kann. Und ganz im Ernst: Es ist wirklich in Ordnung, der eine oder der andere zu sein. Völlig okay.

Soll mir nur bloß keiner mit einer Feder dauernd vor dem Häuptlingszelt rumwichteln.  Das ist es nämlich, worunter die Branche leidet. Alle Branchen. Wir alle.  

So, und das nächste Mal schreib ich was über Joe Bonamassa und wie der mich eigentlich zu dem Thema inspiriert hat, und dass der eine viel bessere Antwort hat als dieses moralinsaure Lamento von mir. Aber mei, Herrschaften, Ihr kennt mich.

Bloß pssst unter uns: Es macht schon schweinemäßig Spaß, so auf die ∆åç∆€ zu hauen. Ehrlich. Wozu hat man nen Blog?

 

 

“Mit gutem Martketing kann man alles verkaufen”, “Qualität setzt sich durch”, “Die Masse ist blöd”, “Für das Beste gibt es immer einen Markt”, “Jeden Morgen steht ein Dummer auf, man muss ihn nur finden”, “Der Kunde ist nicht blöd”.  Ja, was denn jetzt?
Ich muss oft an meinen Freund Christian Überschall denken, und wie recht er hat. Ihm fiel schon vor Jahren eine seltsame Entwicklung auf – am Beispiel der Toblerone Schoh-kchoh-lahde (Chris ist aus Bern). Toblerone kennt jeder? Die Vollmilchpanzersperren? Na also. Nun ist ja gemeinhin bekannt, dass man sich beim Genuss dieses Leck-cher-lihs nicht nur die Zähne raus- sondern auch den Gaumenknochen durchbricht. Toblerone rang sich nach nur wenigen Jahrzehnten durch und ging das Thema konsequent offensiv an – allerdings nicht in der Product-Development Abteilung, sondern dort, wo das Marketing regiert. Man entschied sich für einen Aufkleber vorne Mitte: “Jetzt noch leichter zu knacken!” Toblerone gibt es immer noch.

Ähnlich verfährt ein Käse, den ich gern esse – Grünländer. Früher waren die Scheiben fein aufgeschnitten, fanden aber keine Erwähnung. Dann kam wohl jemand drauf, dass: Je weniger man rumschnippeln muss, umso weniger Handlingkosten hat man. Heute grenzt die Portionierung schon an Doppelrahmdachplatten. Jetzt ist ein Button drauf “Feine Scheiben”. Ich ess ihn immer noch.
Heute brandaktuell, deshalb schreib ich: Die selbe alte dämliche Tube Remoulade von Thomy. Jetzt ist plötzlich ein großer roter Steifen drauf: “Garniertube”. Ich garnier aber gar nicht.
Was mich bewegt diese Entblößung zu wagen, das sind die Gegenbeispiele, die guten Nachrichten, die Beweise für “Qualität setzt sich durch”, “Für das Beste gibt es immer einen Markt”, “Der Kunde ist nicht blöd” -Thesen.
Stellvertretend Andy McKee – “Drifting”.

Wer es läääängst kennt, kann mich meinetwegen ausbuhen. Wer es aber nicht kennt, der soll sich daran freuen. Denn hier ist nicht nur ein herausragender Spieler mit einer herausragenden Technik am Start, sondern ein herausragender Musiker mit einem herausragenden Song. Der kühne Bogen zum Thema dieses Beitrags steht aber rechts unterhalb des Video-Fensters.
Aufrufe: 19.633.609
Also doch: Qualität setzt sich durch.
Irgendwie beruhigend, oder?