Nein, es ist nicht leicht, nach so einer Pause wieder reinzukommen. “Schlechtes Gewissen” ringt mit “Wo soll ich anfangen?” und über allem schwebt ein “Morgen leg ich los mit dem Bloggen, gleich morgen..”. Gut, wenn man Freunde hat. Oder auch nicht. Warum? Weil sie alles durcheinander bringen. Speziell das “morgen”. Echt, ich hab solche. Und deswegen schreibe ich heute. Obwohl ich’s eigentlich eh gleich morgen machen wollte… Ehrenwort. Hört mir eigentlich jemand zu!?
Seit 29. Mai gabs nichts mehr von mir. Ich hatte mir damals vorgenommen, sobald alle Arbeiten eingetütet sind, sofort wieder loszufetzen. Alles rapportieren, Ergebnisse, Daten, Fakten, Bilder und Sounds. Leider krieg ich aber gar nimmer das Gefühl, etwas fertig eingetütet zu haben. Früher war nach jeder geleisteten Aufgabe, nach jedem Job, Gig, Auftrag eine Lücke. Da blickte man zurück mit Stolz und Muße und schöpfte neue Kraft. Heute ist das ein multi-layered Shitstorm. Während man dabei ist ein Ding abzuschließen, schon beginnt man das nächste und schiebt zwischenrein noch alles, was unvermeidlich dazwischen kommt und plant darüber gleich die weiteren Schritte. Auch, weil man Freunde hat. Solche, die immer eine Idee mehr haben, als man Luft in der Lunge hat. Uff. Wahnsinn.
Jedenfalls, ich hab unter anderem die “King Of Heart” endlich neu aufgelegt! Naaaa, wie bin ich? Die war ja ärgstens vergriffen, und ich wollte das schon seit Jahren gleich morgen abstellen. Ihr kennt mich. Dieses Konzept war auch tragfähig, bis eben wieder diese Freunde auftauchten. Oder war’s einer? Egal. Jedenfalls – jetzt ist sie fertig. Frisch gepresst und ready to rock.

Cover King_of_Heart

Okay, sie kommt erst im September, aber sie ist fertig. Neue Artwork, vier fette Bonustracks und überhaupt – seeehr geil!

KoH_Back

Vertrieb ist gerade in Verhandlung. Das war das.
Jetzt fett Pause? Schön wär’s…
Ich darf Material sammeln für ein Akustik-Projekt. Im Grunde mag ich ja den Ausdruck “Projekt”. Projekt – das ist etwas Unklares, etwas ewig Fließendes, kein Anfang, kein Ende. Da steh ich drauf. Aber hey, is ja gut, ich mach ja was. Ich recorde gerade mp3s, katalogisiere, komponiere, frickle und tüftle. Allmählich erreichen die Ideen aber das kritische Maß, wo man sagen könnte “Huhu, ich bin soweit, es kann losgehen”. Aber – pssst – dann wäre es ja kein Projekt mehr, dann wäre es ein Album und dann müsste man das – äh, gnnn – aufnehmen und fertig machen. Was ich wiederum tunlichst vermeide, weil es ja sonst kein, naaa? – genau, Projekt wäre. Versteht ihr? Ich muss das tunlichst vermeiden, sonst gibt’s wieder Deadlines und so. Dann kommen Projektbeschreibungen, Budgets, Zeitpläne, Teammeetings und lauter so Käse. Die Video-Sessions sitzen mir ja echt noch in den Knochen. Vorher, da war alles chillig, da war das ein Videoprojekt und da konnte man schwadronieren, was man demnächst so projektmäßig alles an den Start rollt. Und jetzt? Jetzt hab ich den Kram im Netz. Keine Vorfreude, keine Romantik. Doof das. Und trotzdem keine Pause. Wiederhole ich mich? Mönsch Herrschaften, ich bin doch Musiker. Geht das nicht etwas flufficher, etwas vager? Aber Pustekuchen. Ich hab nämlich so Freunde – hatte ich das schon erwähnt? – die hauchen mir dauernd die Schulter runter und gucken, wie weit ich bin. Ich komm mir echt fremdbestimmt vor. Ganz übel. Nackter Terror. Aber, okayokay, ich mach ja schon…
Was war noch?

Zwischendurch hatte ich mich in eine Aufgabe verstrickt, die eigentlich nach ‘nem netten Quickie aussah. “Deutsche Nationalhymne für die NitrOlympX in Hockenheim- bitte mit E-Gitarre und großem Bahnhof.” Großer Bahnhof – mein Stichwort, Ihr kennt mich. Und ne E-Gitarre hatte ich mir in kluger Voraussicht vor Jahren schon zugelegt. Dann konnte es ja losgehen. Als nächstes Partituren gewälzt. Das Originalwerk. Von Haydn. Nicht das von Franz Beckenbauer. Das mit den Karnevalströten auf Stoppelrasen. Ich kann’s ja gar nimmer…. Egal.
Allmählich gesellte sich zum “Ui, lustig, unsere Hymne” ein “Ja äh, verdammt, das Ding ist wunderschön”. Und wie macht man was schöner, das bereits wunderschön ist? Gar nicht – du Depp! Aber ich musste trotzdem, ich hatte ja zugesagt. Also zarte Bässe unter die Streicher. Den Flow mit Achteln aufgepeppt. Attacks leicht nach hinten verzogen. Bissi die Form verlängert. Kleines Ritardando. Dann was mit Streichertutti-Gong auf die Zwöf. Wird doch. Schlagzeug drüber. Ne, Mist, tut nicht. Schlagzeug wieder raus. Dann eben Schlagwerk rein, aber hallo. Bissi Timpanis. Geil. Dann noch ‘n bissi Timpanis. Dann fett Timpanis. Die Dinger machen Laune. Cool. Dann noch rrrrsssccchhh mit den Becken. Genau, hehe, wie der Wagner Richard. Der wusste, wie man ein fettes Brett fährt. Yep, so kriegt’s Druck. Hehe. Jetzt Gitarren. Was passt? Hendrix immer gut. Bei Hymne sowieso. Woodstock und so. Also Strat. Strat aber dünne heutzutage. Vielleicht wegen der Timpanis? Timpanis aber geil. Also Gitarre fetter. Langsam schraubt sichs rauf. Hehe. Ich mag das. Am Ende sah das dann so aus, dass an der Gitarre Pickups mit 24.000 Ohm und an der Box Mikros für 12.00 Euro hingen. Ungelogen. Wahnsinn. Ich hab’s aber nicht selbst geblecht. Wozu hat man Freunde? Hehe.
Jedenfalls hat das dann mein Sohn Vincent netterweise mit der Handycam verewigt.

http://www.youtube.com/abivonreininghaus

Vincent
Bissi Vorspann, Stimmungsaufbau und dann blieb leider der Zoom hängen bei der Handy-Klemm. Was mittelgut tut, weil ich bei der Krawallbeleuchtung aber echt sowas von steinalt rüberkomm. Ne fette Totale wär gnädiger gewesen. Aber es klang lecker und die Gitarre macht richtig auf Blinky-Bill. Schön. Warum das so abrupt endet? Weil die Hymne der Auftakt für den Schluss-Act des Abends war. Und der Schluss-Act bestand zum Warmmachen gleich mal aus zwei Top-Fuel Dragstern á  5.000 PS ohne geteilt umklappbare Rückbank.

IMG_0114Wuuuaah. Und die scheppern in nullkommaachzig Metern Abstand an meiner weiß-rot karierten Wirkensfläche vorbei. Also an mir – würd’ ich nicht die Hufe schwingen. Aber swingen kann ich wie’n Großer, ihr kennt mich. Erst recht, wenn ich weiß, dass die Dinger nicht nur in unter 5 Sekunden von 0 auf 500 beschleunigen, sondern dabei neben brennender Luft auch noch 152 dB in die Welt trompeten. Da verstimmt sich doch die beste Fidel. Und so gesehen, liebe Liebenden, so gesehen kann man sagen, dass das Video sogar noch richtig lang nach der letzten Note weiterlief. So sieht’s aus. Und nachdem die Fluchtbilder von Vincent und mir graduell verwackelt kamen, gibt’s im Abspann eben noch was Gechilltes vom Nachmittag aus dem Startgrid, als die Irren mal Pause machten. Trafen sich vermutlich auf ‘n Tässchen Nitromethanol. Schbässle, nix für ungut.
Hatte ich erwähnt, dass nach den den Top-Fuel Möhren noch Jet-Bikes und dann noch Jet-Dragster mit Raketenantrieb und Pffffffuuu und 22.000 PS… hatte ich? Nein? Okay, dann hab ich’s jetzt. Total irre, das. Zum Glück sind wir Männer. Die machen sich um den Sinn solchen Tuns keine Gedanken. Wir nehmen das einfach mit, finden es cool, aber sagen ok. Cool wäre grenzwertig aufgeregt, also uncool. Frauen würden fragen, warum die da so hektisch ins Abendrot prügeln? Ob man das nicht gesitteter und dass man ja kein vernünftiges Wort bei dem Krach wechseln kann… Aber, wie gesagt, wir sind Männer und wir fanden’s ok.

Männer

Mist, jetzt hab ich mich doch echt verquasselt. Ich such grad mal den Faden und meld mich wieder. Kann ‘n bissi dauern. Ihr kennt mich. Aber ich geb mir Mühe, dass die Lücke nimmer so lang wird. Das wär ja unmöglich – ‘n echter Blog-Buster.

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